Herbstzeit - Tagebuch einer SängerIntendantin

Da war er nun, der September, der mit einem wundervollen Liederabend vor ausverkauftem Haus wunderbar begonnen hatte.

Mein Ziel für Fair(e)Art bis Dezember ausverkauft zu sein, war also schon eine Veranstaltung vorher erreicht worden. Ich bin unendlich stolz darauf!

Und dann folgte der Oktober - ursprünglich wunderbar - mit den Proben für "Eine Ballnacht" von Oscar Straus unter Patronanz seiner Enkelin Inge Prebil-Straus aufgeführt. Ich freute mich sehr auf dieses Werk und darauf, endlich wieder Operette in Wien zu spielen.

Nach einem Montag an dem ich mich abends schon etwas schwummelig fühlte und früh ins Bett ging, erwachte ich am anderen Morgen mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen und im Laufe des Tages steigendem Fieber auf 39,5 Grad - was bitte war das denn? Und wo kam es her? Diese Frage kann ich bis heute nicht beantworten.

Ich war also knappe drei Wochen an mein Bett gefesselt, ein mehr als unangenehmes Gefühl. Jede Woche die Frage: "Operette absagen oder nicht absagen?". Jede Woche erneut alle Termine canceln, die mir wichtig waren und die für die Weiterentwicklung von Fair(e)Art wichtig gewesen wären.

Aber der Körper ist immer weiser und klüger. Das habe ich im Laufe meiner SängerInnenjahre schon allmählich begriffen. Jede Erkrankung hat den Sinn uns einmal zum durchatmen und nachdenken zu bringen.

Ich erlaubte mir also alle Termine von mir zu weisen und nur auf mich und mein Gesundwerden zu schauen. Nachdem sich nach zwei Wochen mein Gehirn schon langsam wieder Ideen- und einfallsreich zeigte, schaffte ich es sogar den

Fair(e)Art Codex zu entwerfen. Ein Leitfaden für unsere zukünftige Arbeit mit  KünstlerInnen, PartnerInnen und TeammitgliederInnen.

Und, was soll ich sagen, Stimme und Energie waren - just on point - 1 1/2 Wochen vor der Operettenaufführung wieder da. Ein Glück war die Partie der Edith nicht überbordend groß, denn sonst hätte ich abgesagt. Verantwortung für die eigene Gesundheit, aber auch für das Umfeld, das man genauso mit seiner Erkrankung anstecken kann, finde ich sehr wichtig.

Schlußendlich habe ich wohl diese Pause benötigt, um mich klarer zu positionieren. Als Sängerin und Intendantin. Und an diesen Fahrplan halte ich mich. Sie können gespannt sein! :-)

 

Fotocredits: NowoPhoto